Träumer sein ist gut

„Hach, die Kleine ist eine echte Träumerin, immer mit den Gedanken woanders.“ Haben das deine Lehrerinnen oder deine Eltern früher zu dir gesagt? Und wurdest du vielleicht eindringlich gebeten, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren? In der Realität anzukommen? Dich zu beteiligen? Aus dir rauszukommen? Wurde dein Träumerdasein eher mit Sorge betrachtet?

Warum ist das eigentlich so? Was genau ist schlecht an verträumten Menschen und warum sollen wir aus uns rauskommen, wenn wir doch in uns selbst zuhause sind?

 

Die außenorientierte Welt

Es gibt kulturelle Unterschiede, aber in unserer westlichen Welt leben wir in einer sehr nach außen hin orientierten Gesellschaft. Wenn wir Menschen oder Dinge miteinander vergleichen, betrachten oder bewerten tun wir dies nach äußeren Maßstäben. Wie schnell ist ein Auto? Wie groß ist ein Haus? Wie viel Einkommen hat der eine oder der andere? Welche Noten hat das eine oder das andere Kind? Alles Erstrebenswerte scheint ausschließlich mithilfe äußerer Maßstäbe messbar. Deshalb steckt hinter der Aufforderung aus dir rauszukommen, vermutlich eine gute Absicht. Wer in sich bleibt, nimmt scheinbar nicht teil am Leben oder hat keinerlei Zugang zu diesen äußeren Bewertungskriterien. Aber ist diese Perspektive wirklich die einzig denkbare?

  

Träume eröffnen neue Realitäten

Es ist toll, wenn du eine Träumerin oder ein Träumer bist! Ich sage dir auch, warum. Wenn alle Menschen seit Beginn der Menschheitsgeschichte absolut realistisch, nüchtern, jetzt-bezogen und nur am Außen orientiert gedacht und gehandelt hätten, wären wir heute wohl nicht da, wo wir sind. Wenn niemand der Realität vom Fliegen einen sehnsuchtsvollen Traum vom Fliegen vorgeschaltet hätte, wäre eben jenes heute noch unwirklich. Und wenn niemand die Gedanken auch mal etwas weiter hätte schweifen lassen, müssten wir auf viele Kunstwerke, Lieder, Gedichte und gar Friedensverträge verzichten. Müssen also wirklich alle Träumer zu Machern werden oder sind sie es nicht vielleicht sogar schon, weil sie ihren Gedanken folgen und daraus Großartiges erwachsen lassen?

 

Träume öffnen die Tür zum Möglichen einen Spalt weit und tasten ab, was in unserer Welt alles ginge, von dem wir „nicht einmal zu träumen wagen.“ Deshalb noch einmal: Es ist toll, wenn du eine reiche Gedankenwelt hast! Wenn du Phantasie hast und mit offenen Augen träumen kannst, denn genau diese Träume können dir und der Welt so unfassbar viel eröffnen.

 

Alles beginnt mit einem Traum

Martin Luther King hatte einen großen Traum, als er seine Rede zum Marsch auf Washington mit genau diesen Worten begann. Leonardo da Vinci setzte seinen Traum vom Fliegen in zahlreichen Skizzen beeindruckend realistisch um, obwohl die Welt um ihn herum diesen Traum eher als Spinnerei abtat. Und heute? Ist Fliegen ganz selbstverständlich und da Vincis Visionen sind weltweit berühmt. Alle großen Dinge beginnen in dem Kopf eines Menschen, der sich Zeit für seine Gedanken nimmt. Wir spinnen rum, kommen dabei auch auf abwegige Ideen und irgendwann dann doch zur Lösung, die uns selbst oder sogar die Welt ein Stück weiterbringt. Wir erschaffen in unseren Träumen neue Realitäten, wenn wir den Gedanken Zeit geben und uns nicht sofort wieder rausreißen, um uns mit dem Geschehen um uns herum zu befassen. Es ist also unabdinglich, dass wir Träumen und die Träumer dieser Welt feiern, statt sie aufzurütteln und dadurch auszubremsen. Und auch, dass wir uns wieder gönnen, über Dinge nachzudenken, statt sie immer schneller übers Knie zu brechen. 

 

Träumer sein heilt

Sich den eigenen Gedanken hingeben, Ruhe finden, Visionen heranziehen wie ein zartes Pflänzchen – all das ist keine Zeitverschwendung, sondern Lebensgewinn.

  • Träumen hilft dir, dir deine Ziele bewusst zu machen
  • Träumen ermöglicht dir, aus dem Alltag auszubrechen
  • Träumen setzt dein Potenzial frei
  • Träumen entschleunigt dein Leben
  • Träumen entspannt und fokussiert
  • Träumen bringt dich deinen eigenen Wünschen näher

 

Und am Ende macht träumen die Welt besser. Das Tun ist die Konsequenz, aber ohne den Traum vorab, hat das Tun kein stabiles Fundament. Lasst uns also nie mehr jemanden, der seinen Träumen nachhängt, verurteilen und uns selbst als Träumer nicht mehr falsch fühlen. Vielleicht entsteht in diesem einen unscheinbaren Traum gerade die Idee für eine bessere Welt.

 

Warum wir uns nicht schämen sollten, Träumer zu sein

4 Kommentare zu „Warum wir uns nicht schämen sollten, Träumer zu sein

  • 10. Juni 2018 um 17:40
    Permalink

    Das tut echt gut zu lesen. Ich war auch als Kind – und bin es heute noch – so ein „Träumerle“. Ich glaube, ich brauche das ab und zu auch einfach, mich mal kurz so in meinen Kopf zurückzuziehen. Dabei kommen mir mitunter die besten Ideen. Mir war das noch nie so sehr klar, dass echt ziemlich viel, wenn nicht gar alles nach äußeren Maßstäben bewertet wird – aber das stimmt total!

    Liebe Grüße!
    Christina

    Antworten
    • 10. Juni 2018 um 17:58
      Permalink

      Hallo Christina,

      verrückt, oder? Höchste Zeit da ein paar anderen Maßstäben mehr Beachtung zu schenken. 🙂
      Ich danke dir für deinen lieben Kommentar!
      Viele Grüße von Träumerin zu Träumerin 😉
      Sonja

      Antworten
  • 17. August 2019 um 17:36
    Permalink

    Das stimmt nur so hat man ab und an die Gelegenheit nur an sich selbst zu denken.

    Antworten
    • 23. August 2019 um 23:15
      Permalink

      Hallo Lars,

      danke dir für deinen Kommentar. Und ja, Zeit für sich selbst zu nehmen ist enorm wichtig und wohltuend. 🙂

      Alles Liebe
      Sonja

      Antworten

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