Blog für StilleKennst du diese beklemmende Stille, wenn es bei einem Gespräch einfach nicht läuft und plötzlich einer nichts mehr zu sagen weiß? Das ist unangenehm und dehnt die Zeit gefühlt auf die Größe eines Heißluftballons. Man versucht sich dann mühsam weiterzuhangeln, greift Nebensächlichkeiten auf oder landet am Ende dann doch beim Wetter. Gezwungenes Schweigen ist blöd.

 

Manchmal aber kann das Schweigen auch wunderbar sein, nämlich dann, wenn es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Vielleicht hast du auch eine Freundin oder einen Freund, mit der oder dem du dich auch ohne Worte verstehst. Und wenn dann eben einen Moment lang nichts mehr zu sage ist, dann wird geschwiegen. Ganz selbstverständlich, einfach so, weil es gerade richtig ist. Ganz, ohne sich unpassend anzufühlen.

 

Warum denken alle, man müsste immer reden?

Das gemeinsame Schweigen hat eher einen Underdog-Status, ja, es wird sogar stigmatisiert: Schweigen sei schlecht, quasi eine Ablehnung des Gegenübers oder ein Ausdruck mangelnden Interesses. Dabei ist Stille so wohltuend und keinesfalls negativ. Auch gemeinsam erlebte Stille nicht. Schließlich ist Schweigen so alt, wie die Menschheit selbst. Und auch gemeinsames Schweigen hat eine lange Tradition, die mancher gestresste Großstädter heute in einem Aufenthalt im Schweigekloster wieder zu erreichen versucht. Wie wichtig das Schweigen seit jeher ist, zeigen Zitate zahlreicher berühmter Persönlichkeiten:

Schweigen ist so tief wie die Ewigkeit, 
Reden so flach wie die Zeit.
(Thomas Carlyle)

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Schweigen ist die wesentliche Bedingung des Glücks.
(Heinrich Heine)

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Die größte Offenbarung ist die Stille.
(Laotse)

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Denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.
(Dalai Lama)

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 Die größte Einwirkung ist das Schweigen. Der Guru schweigt – und in allen ist Friede.
Dieses Schweigen ist ausgedehnter und wirkungsvoller als alle heiligen Schriften zusammen.
(Ramana Maharshi)

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Die Liebe ist vor allem ein Lauschen im Schweigen.
(Antoinde de Saint-Exupéry)

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Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
(Oscar Wilde)

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 Schweigen ist ein köstlicher Genuß, aber um ihn ganz auszuschöpfen,
muss man einen Gefährten haben. Allein ist man nur stumm.
(Karl Heinrich Waggerl)

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Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen und fünfzig, um schweigen zu lernen.
(Ernest Hemingway)

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Reden ohne Schweigen wird Geschwätz. (Romano Guardini)

 

Gemeinsame Stille

Tatsächlich fällt es außerhalb solch ehrwürdiger Mauern wie denen eines Schweigeklosters schwer, auch heute noch Gemeinschaft zu leben, ohne permanent verbal miteinander zu kommunizieren. Wenn man sich trifft, dass muss sich auch fleißig ausgetauscht werden. Sonst könnte man das mit dem Treffen doch auch lassen, oder? Nein! Denn gemeinsames Schweigen hebt die Kommunikation auf eine neue Ebene. Auch wenn wir nichts sagen, kommunizieren wir miteinander: Mit Blicken, mit Gesten oder mit Empfindungen.

 

Miteinander schweigen hat viele Vorteile: 

Vertrauen: Nebeneinander sitzen, den eigenen Gedanken nachhängen, die Stille genießen und einen lieben Menschen an seiner Seite wissen, das schafft eine unglaublich vertrauensvolle Atmosphäre. Wenn du mit jemande schweigen kannst, sagt ihr euch gegenseitig wortlos: „Du bis gut so, wie du bist, das weiß und spüre ich ich ohne Worte.“

 

Einfühlungsvermögen: Wenn wir ein Treffen mal nicht mit floskelhaften Grüßen beginnen, schärft das ganz von selbst unsere anderen Sinne. Wenn du nicht sprichst, bist du wesentlich empfänglicher für die feinen Signale, die dein Gegenüber aussendet. Ganz einfach, weil du nicht abgelenkt wirst, sondern völlig fokussiert bleibst. So siehst du in der Stille wahrscheinlich einen traurigen Blick eher, als das zwischen hin-und hergeschobenen Sätzen möglich wäre.

 

Intensität: Worte bekommen mehr Gewicht, wenn wir sie mit Bedacht wählen und nicht wie Kanonenpulver verschießen. Wirkliche Aussagen wiegen mehr als wortreiche Floskelwolken, die wir uns entgegen pusten. Die versperren ohnehin nur die Sicht. Schweigen gibt Raum, um wirklich sinnvolle Worte mit Bedacht zu wählen, es schafft Platz, sich zu sortieren und darüber nachzudenken, was du eigentlich wirklich sagen willst.

 

Entspannung: Einfach nur miteinander sein und schweigen schafft ein herrliches Gefühl der Entspannung. Das komplette Ankommen im Moment erlebst du viel intensiver, wenn du es in der Stille tun kannst und nicht schon hektisch nach dem nächsten Thema suchst, damit die Sprechpause nicht zu lang wird.

 

Schweigen ist Gold

Und Reden muss sich mit Silber begnügen. Manchmal ist es genauso so und manchmal ist es genauso gut und richtig. Dann, wenn es keine passenden Worte gibt oder der Moment keine Worte braucht. Lasst uns gerade in unserer permanent kommunizierenden und lärmenden Welt, in der wir kein Päckchen Butter kaufen können, ohne dabei beschallt zu werden, ab und zu bewusst schweigen. Gönn dir diesen Luxus, er ist so wohltuend – alleine wie gemeinsam.

Der Underdog der Glücksmomente: gemeinsames Schweigen

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