Was ist Erfolg für dich

In welcher Einheit messen wir eigentlich Erfolg? Was genau ist Erfolg? Kann man von Erfolg nie genug haben oder wird er irgendwann auch zur Belastung? Wenn du magst, teile ich dazu ein paar Gedanken mit dir.

 

Definition von Erfolg

Als Sprachwissenschaftlerin führt mein erster Griff natürlich zum DUDEN. 😉 Was versteht der denn unter dem Begriff Erfolg? Gelistet wird „Erfolg“ mit folgender Erklärung: positives Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung. Aha. Was genau heißt das nun? Ist Erfolg, wenn die Fenster strahlend sauber sind, weil wir sie vorher geputzt haben? Oder ist Erfolg eine Stelle zu bekommen, auf die man sich zuvor beworben hat? Meint Erfolg vielleicht die lang ersehnte Urlaubsreise, die endlich begonnen wird? Beabsichtigte und erstrebte Wirkungen sind das alles. Trotzdem käme wohl kaum jemand auf die Idee, die sauberen Fenster oder den Urlaubsanfang als Erfolg einzustufen. Die neue Stelle hingegen scheint da schon besser zu passen. Denn Erfolg taucht vor allem im beruflichen Kontext gehäuft auf. Wir sprechen von erfolgreichen Verhandlungen, von erfolgreichen Kundengesprächen, von erfolgreichen Projekten und so weiter und so fort. Also ist Erfolg doch das Erreichen einer beruflichen Errungenschaft? Ich halte das noch für zu kurz gedacht.

Fragt man die Deutschen selbst, wie es das Manager-Magazin im letzten Herbst getan hat, geben die Befragten folgende Dinge als Inbegriff von Erfolg an:

  • glücklich sein (72%)
  • gesund sein (71%)
  • Familie und Freunde haben (knapp 50%)
  • berufliche Errungenschaften (27 %)
  • Geld (16 %)

Fällt dir was auf? Die meistgenannten Dinge sind eher abstrakt als an konkrete Besitztümer gebunden. Glücklich zu sein ist es, was die Deutschen sich mehrheitlich unter Erfolg vorstellen. Gleichzeitig gaben aber 20 % der Befragten an, sie würden Erfolg gerne einfacher erreichen. Wie passt das zusammen? Glücklich sein ist doch eine Sache, die jedem Menschen zugänglich ist. Zumindest dann, wenn wir Glück nicht an bestimmte äußere Dinge koppeln.

Arm und glücklich, geht das?

Hängen also Glück und Geld zusammen, oder woran liegt es, dass jeder Fünfte Erfolg als schwer erreichbar benennt? Haben Menschen mit geringerem Besitz schlechtere Chancen sich selbst als erfolgreich wahrzunehmen?

Es kommt darauf an. Jahr für Jahr erscheinen neue Studien, die einen Zusammenhang von Glücksempfinden und Gehalt bestätigen, auf der anderen Seite aber auch aufzeigen, dass diese Verbindung nicht unendlich fortführbar ist. Konkret bedeutet das, dass jemand mit sehr wenig Geld deutlich glücklicher und für sein Empfinden erfolgreicher wird, wenn er ein mittleres Einkommen erreicht. Jemand, der bereits ein solides Einkommen hat, erlebt diesen Effekt bei einer Gehaltserhöhung deutlich abgeschwächter. Und ein bereits gutsituierter Mensch, der nun noch mehr Gehalt bezieht, nimmt dies kaum noch wahr. Wissenschaftler bezeichnen diesen Gewöhnungseffekt als Affective Forecasting.

Ist Erfolg immer das, was wir nicht haben?

Gewissermaßen empfinden wir Erfolg also als das Eintreten eines positiven Ereignisses, das zuvor nicht da war. Hier schließt sich der Kreis zur Definition des Duden; du erinnerst dich? Wer etwas Gutes bekommt, das er vorher nicht hatte, sieht das als Erfolg und erlebt das Eintreten eines beabsichtigten positiven Ereignisses. Wenn du bis gestern 30.000 € im Jahr verdient hast und ab heute sind es 40.000 €, ist das eine klare positive Veränderung für dich. Wenn du dich durch eine Operation wieder besser bewegen kannst, ebenfalls. Und wenn du künftig um 16:00 Uhr Feierabend machst, statt wie vorher um 19:00 Uhr und dadurch mehr Zeit hast, ist auch das Erfolg. Also ist Erfolg immer anders?

 

Welche Einheit hat Erfolg?

Ist Erfolg viele Dinge zu besitzen,
mehr Geld als Träume zu beschützen,
sich gönnen können, was man will,
ein Leben voller Glanz und Stil?

Oder meint Erfolg am Ende eher
Macht und Einfluss, den Vorsteher
von anderen Menschen zu geben
und für höhere Ziele zu leben?

Vielleicht ist Erfolg auch federleicht,
ein Glücksgefühl, vage und seicht.
Ja ist bereits dein Lachen nur
des Erfolgs wahrhaft’ge Spur?

Oder haben wir vielleicht vergessen
Erfolg in Stunden abzumessen?
Kann sein, dass unsre frohen Tage
Erfolgs’ Zünglein sind an der Waage?

Ein Flügelschlag, das Meeresrauschen,
vielleicht kann man Erfolg auch lauschen.
Dann wäre er hoch, weit und frei.
Denkbar, dass es genau so sei.

Oder ist gesund sein, ohne Schmerzen,
sorgenlos mit leichtem Herzen,
leben und sich selbst wertschätzen
als Synonym für ihn zu setzen?

Welche Einheit hat Erfolg für dich?
Was bewegt und macht dich glücklich?
Wähle weise und völlig frei,
doch bitte sei bewusst dabei,
dass deine Wahl nicht meine ist
und Erfolg für jeden anders ist.

 

Es gibt keinen Universalerfolg

Erfolg ist nicht für jeden Menschen gleich. Es kommt darauf an, wo du stehst und wo du hin möchtest, was dir wichtig ist und was nicht. Mehr Geld und dafür im Umkehrschluss weniger Zeit wäre eine Rechnung, die wohl die meisten Menschen nur bis zu einem gewissen Punkt mitmachen würden. Denn was machst du am Ende mit dem ganzen Geld, wenn dir keine Zeit mehr für dich, für deine Lieben oder auch simpel fürs Ausgeben deines Reichtums bleibt? Wird unser Aufwand, den wir betreiben müssen, zu gros, kann Erfolg auch zur Belastung werden.

Wie verhält es sich, wenn jemand jahrelang mit den schwersten Lebensstürmen zu kämpfen hatte und heute ein eigenständiges Leben führt und für sich selbst sorgen kann? Wer käme auf die Idee, diesem Menschen seinen riesengroßen Erfolg abzusprechen? Und wenn einer hart gearbeitet hat und dafür am Ende finanziell erfolgreich ist, ist auch das eine mögliche Ausprägung von Erfolg.

Ich für mich verbinde Erfolg sehr eng mit Freiheit. So könnte ich oft deutlich mehr meiner Arbeitszeit verkaufen als ich tue, mache es aber bewusst nicht, um noch genug Zeit zu haben. Spontan mit meinen Kindern früher zum Spielplatz zu gehen oder auch mal einen Tag freizunehmen, ist mir insgesamt mehr wert, als es der finanzielle Gegenwert, den diese Zeit in Honorar einbringen würde, ist. Trotzdem gehört auch finanzielle Freiheit dazu und spielt für mich eine Rolle. Es muss eben alles in Balance sein, die zu mir und meinem Verständnis von Glück und Erfolg passt.

Deines sieht vielleicht anders aus. Deshalb macht ein Vergleich, wer nun erfolgreicher ist als ein anderer wenig Sinn, weil jeder auf seine Art erfolgreich sein kann. Erfolg ist nicht universal, sondern individuell. Jeder, der dir erzählen will, dass nur seine Definition von Erfolg richtig ist und du nur diese eine Vorlage anstreben solltest, denkt meiner Meinung nach zu kurz. Lass dich nicht in Vorlagen pressen, die nicht zu dir passen, sondern finde deine eigene Idee von Erfolg.

 

Was denkst du?

In welcher Einheit messen wir nun also Erfolg? In Geld, in Zeit, in Gesundheit? Diese Frage darfst du für dich selbst beantworten. Schreib mir gerne in den Kommentaren, was für dich Erfolg ist. Ich freue mich auf deine Sichtweise!

In welcher Einheit messen wir Erfolg?

4 Kommentare zu „In welcher Einheit messen wir Erfolg?

  • 10. April 2018 um 19:54
    Permalink

    Erfolg ist tatsächlich etwas sehr individuelles. Für mich ist Erfolg, wenn ich gute Gedanken denke und gute Gefühle fühle. Wenn ich viel Zeit in meinem Leben so erleben darf, dann kann ich irgendwann auf ein erfolgreiches Leben zurück schauen. 🙂

    Ich denke, viele beziehen Erfolg ausschließlich auf ihren Job und viel zu spät fällt ihnen auf, dass sie was ganz anderes glücklicher gemacht hätte. Wenn ich sowas sehe, macht mich das immer ein bisschen traurig. 🙁

    Liebe Grüße
    Luisa

    Antworten
    • 10. April 2018 um 20:05
      Permalink

      Hallo Luisa,
      das ist ja auch eine schöne Vorstellung! ? Und noch eine gute Alternative dazu, Erfolg immer nur auf den Job zu beziehen. Danke dafür!?

      Liebe Grüße
      Sonja

      Antworten
  • 19. Oktober 2018 um 15:42
    Permalink

    Hallo Sonja,
    ich habe gerade Deine Webseite entdeckt. Echt toll, dass Du da bist und diesen Blog schreibst, es tut so gut!
    Am Anfang Deines Beitrags dachte ich an ein Zitat (vom Dalai Lama?) über Erfolg, das mir besonders gut gefällt – weil es unser Empfinden vom „Erfolg“ infrage stellt: “The plain fact is that the planet does not need more successful people. But it does desperately need more peacemakers, healers, restorers, storytellers, and lovers of every kind. It needs people who live well in their places. It needs people of moral courage willing to join the fight to make the world habitable and humane. And these qualities have little to do with success as we have defined it.”
    Wie messe ich Erfolg? Eigentlich fülle ich mich glücklich und dankbar, nicht wirklich erfolgreich… aber wenn ich richtig drüber nachdenke, würde ich sagen: ich kann nach meinen Werten leben, ich sehe wie meine Kinder sich entfalten, und wie meine Partnerschaft mit der Zeit immer stärker wird. Wo meine ich, zu wenig Erfolg zu haben? Eigentlich bei zweitrangigen Sachen wie Haushalt ordentlich halten oder… was für ein Paradox! Gut, dass es mir bewusst wird… Vielen Dank hierfür!
    Liebe Grüße

    Antworten
    • 19. Oktober 2018 um 16:46
      Permalink

      Hey Cecilia, freut mich sehr, dass dir die Texte guttun. Ich finde deine Definition von Erfolg ganz wunderbar – nach den eigenen Werten leben, die Kinder begleiten, deine Partnerschaft – das ist alles so wertvoll. Und beim Thema Haushalt empfehle ich dir und mir einfach ein wenig Gelassenheit. 😉

      Viele Grüße
      Sonja

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.