höher schneller weiter langsames wachstumIch habe ein Problem. Ein ziemlich großes. Zumindest dachte ich das jahrelang. Heute weiß ich, dass ich einfach gut über Entscheidungen nachdenken möchte, bevor ich sie fälle. Wenn dann aber andere von außen permanent und unisono auf mich einbrüllten,  dass das so falsch ist, löste das in mir Unbehagen, Zweifel und echte Sinnkrisen aus.

Sätze wie:

  • Nur wer seine Chancen nutzt, kommt weiter!
  • Mach einfach und guck, was passiert!
  • Du darfst nicht stehenbleiben!
  • Wenn du das nicht schaffst, macht es ein anderer!
  • Denk nicht zu viel!
  • Du musst vor 30 deine erste Million haben!

brachten mir regelmäßig schlaflose Nächte ein. Mein Problem: Ich möchte wachsen und ich habe absolut gar nichts gegen Herausforderungen, im Gegenteil! Aber gegen dieses vehemente Schubsen habe ich etwas. Wenn andere mir vorgaben, wie schnell ich zu wachsen habe, wie viel ich in welcher Zeit lernen muss, wie sehr ich aus mir rauskommen muss und so weiter und so fort führte das zum genauen Gegenteil: Ich machte zu! Da ich mir natürlich keine beruflichen Nachteile verschaffen wollte, ließ ich aber immer einen Spalt offen, den ich dann tagelang mit Selbstzweifeln füllen konnte. „Vielleicht haben die anderen recht, vielleicht sollte ich wirklich schneller werden, vielleicht sind andere besser“, rief der Kopf auf der einen Seite. „Lass es, du willst es nicht!“ steuerte der Bauch auf der anderen Seite dagegen. Und das Ende vom Lied? Eine innere Zerrissenheit zwischen sollte und möchte ich aber gar nicht.

Was mir gegen die Höher-schneller-weiter-Hysterie hilft

Manchmal habe ich das Gefühl, die Welt dreht sich viel zu schnell für mich. Die allgemeine Metapher für Erfolg scheint das Bild eines Mittzwanzigers zu sein, der gerade seine dritte Million macht und aus einer Bar am Strand von Bali seine 120 Angestellten per Skype-Call delegiert.  Und der nun alle anderen, die noch nicht da sind, wo er steht, zum Erfolg peitscht. Sein Mantra: „Mach einfach! Und das so schnell wie möglich!“ Keine Gegenstimmen, keine Zweifel, der muss es ja wissen, schließlich hat er es geschafft. Aber was eigentlich?

Wenn ich im inneren Zwiespalt aus „Sei nicht dumm und ergreif die Chance JETZT!“ und „Aber das ist nicht mein Ding und ich will es MOMENTAN nicht“ feststecke, hilft mir eines heraus: Ich stelle mir vor, ich wäre eine Wanderin. Der Weg ist mein Leben, der Gipfel das Ziel meiner Wünsche und Träume. Nun habe ich zwei Möglichkeiten:

Entweder ich hetze mich ab, um möglichst schnell oben am Gipfel zu sein und die fantastische Aussicht zu genießen. Oder aber ich entscheide mich dazu, auch mal zu rasten. Und das hat gar nichts mit Faulheit zu tun! Vielleicht fühlst du dich auch manchmal schlecht, weil alle anderen gefühlt fleißiger und engagierter dabei sind, ihr Business zu pushen. Ich bin überzeugt davon, dass wir dem Gipfel zu viel Bedeutung beimessen und den Wert des Weges unterschätzen. Denn die schönen Dinge auf dem Weg zu sehen, das Edelweiß, das am Rand wächst, die Sonne, die hinter dem Gipfel hervorblitzt und die Aussicht, die ich auch von hier aus schon habe, ist wunderschön. Das Innehalten im Moment und der tiefe Atemzug, der eingeht und sagt „Ich habe schon jetzt so viel!“ Das ist keine Faulheit, sondern gesundes Wachstum! Das ist Dankbarkeit statt Mangeldenken. Klar, es gibt Phasen, in denen du schneller vorankommst und dann gibt es schleppende Abschnitte, in denen es einfach nicht läuft. Beides ist völlig normal und gehört dazu.

Stell dir doch mal vor, du erreichst den Gipfel schließlich und oben wartet ein anderer gelangweilt, der den Sprint seines Lebens hingelegt hat, um nach oben zu kommen. Wer hat wohl die besseren Geschichten zu erzählen, weil er zwischendrin mit offenen Augen unterwegs war und eben nicht durch seine Scheuklappen nur stur geradeaus marschiert ist? Fasse den Mut in deinem Tempo zu wachsen! Gib nicht auf weil einer, zwei oder  hundert an dir vorbeiziehen, sondern mach dir bewusst, dass du dich dazu entschieden hast, auch den Weg zu genießen und nicht nur das Ziel. Lass dich motivieren, aber nicht schubsen!

 

Wachsen

Die ganze Welt schreit: „Mach doch mal!“

und find jetzt deinen Weg.

Denn, wer nur zweifelt und nicht kämpft,

der strauchelt, ja der fällt!

 

Wenn du nur willst, dann kommst du hoch

und suchst du Ruhm, Erfolg und Geld,

dann fighte jetzt, hör auf zu zögern,

dann fliegt dir zu, die ganze Welt.

 

Alles ist schrill und schnell und grell

„Ganz egal was, aber fang an!

Tu was, trau dich, auf nach vorn!“

Wer jetzt nicht anfängt, kommt nicht dran.

 

Und diese eine Chance vor dir

glänzt gülden und erschafft die Farce

wenn du’s nicht nutzt, dann sei gewiss:

„Mensch, schau hin, dann war es das!“

 

Und ich ruf „STOPP! Halt das hier an.“

Will nicht nur machen, was ich kann

und will nicht wollen, was ich nicht spür,

ich brauch nen andren Weg dafür.

 

Ich möchte in mir Samen säen,

sie hegen, pflegen, wachsen sehen.

Und nicht gehetzt und übereilt

am schönen Werden vorübergehen-

 

Und ja, vielleicht ist es ja so,

dass Schnelle Langsame auffressen,

dass Gipfelstürmer Gold abräumen,

während ich gegossen und gesessen.

 

Und doch möcht‘ ich das Wachsen spüren,

mich nicht in Hetzerei verlieren,

mich an jedem Schritt erfreuen,

und eben nicht nach Allem gieren.

 

Will nicht nur wachsen, nein gedeihen!

Will Fehler machen, mir verzeihen,

will Atempausen, Wunder spüren,

mich einfach im Moment verlieren.

 

Möchte blühen, wenn die Zeit reif ist,

nicht, wenn ein Anderer bereit ist.

Mich nicht vergleichen, nicht konkurrieren,

einfach nur mein Werden führen.

Was bedeutet das für dein Business?

Denkst du manchmal auch, dass eine Chance nicht wiederkommt, wenn du sie einmal abgelehnt hast? Dass du alles annehmen solltest, was dich schneller nach oben bringt? Dann denk an diesen Weg. Verschwindet der Gipfel in dem Moment, in dem du dich ausruhst? Sicher nicht!

Hinterfrag doch mal, ob diese Vorstellung gleich oben zu sein wirklich so verlockend für dich ist.  Würde dir die Schönheit des Augenblicks nicht fehlen? Ganz konkret deine Freiheit, während du dein Business aufbaust? Denn ja, auch in Zeiten des Wachstums darfst du leben und nicht nur ackern. Es schließt sich nicht aus! Ob schnell oder langsam, entscheidest du – beides ist in Ordnung, wenn es zu dir passt und du es so möchtest. Allein dem lärmenden Höher-schneller-weiter-Ruf zu folgen, weil es scheinbar keine Alternative gibt, halte ich für falsch und ungesund. Und deshalb möchte ich dich dazu ermutigen, zu deiner Idee von Erfolg und gesundem Wachstum zu stehen. Denn wer langsam wächst, wächst oftmals deutlich nachhaltiger.

Am Ende kannst du immer noch erfolgreicher werden und einen noch höheren Umsatz einfahren. Wer definiert, wann es genug ist und wann du dir eine Pause gönnen darfst? Das machst du alleine! Weil ich meinen Weg genießen möchte, entscheide ich mich heute bewusst gegen so manche Chance. Ich lasse andere vorbeiziehen, weil das nicht heißt, dass sie den besseren Erfolg haben, sondern lediglich einen anderen. Es kommt am Ende auf deine Definition von Erfolg an: Für mich ist meine Freiheit mein Erfolg, sowohl die finanzielle als auch die innere, die Richtung meiner Selbstständigkeit selbst zu bestimmen. Es gibt nicht nur arm und zufrieden oder umsatzstark und abgehetzt, sondern so viel dazwischen. Lass uns unseren Blick dafür weiten und Erfolg nicht nur in Zahlen messen. An der schönsten Bar auf Bali wird es ziemlich stressig, wenn du statt dem Wind im Haar nur deinen Posteingang im Blick hast.

In diesem Sinne: Vergiss dich selbst nicht und trau dich, dein eigenes Tempo zu finden. Trau dich, langsam im Schnell oder leise im Laut zu sein. Es ist richtig, wenn es dir gut tut!

 

Höher-schneller-weiter-Hysterie: Hab Mut zum langsamen Wachstum

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