Diese Seite ist keine politische und doch liegt mir eines sehr am Herzen: Kürzlich skandierten Menschen auf einem öffentlichen Platz in Dresden lautstark „absaufen, absaufen“, als es um die Seenotrettung vor den Küsten Europas ging. Ich kann verstehen, dass es politisch unterschiedliche Meinungen gibt und das ist auch absolut wichtig, ebenso wie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aber ich kann es nicht nachvollziehen, aus wirklich keinem einzigen Grund – sei es Angst, Unwissenheit, Wut oder Sorge um Veränderungen im eigenen Umfeld – dass Menschen anderen Menschen wünschen, sie sollen „absaufen“.

Wo sind unsere Werte? Wir sind doch ein tolles, weltoffenes Land! Oder ist das einfach vorbei?  Ich wünsche mir, dass wir uns wieder auf unsere großartigen Werte besinnen. Dass wir nicht nur Menschen sind, sondern auch menschlich. Vielleicht ist es sogar eine Zeit, in der wir es uns nicht mehr leisten können unpolitisch oder stillschweigend hinnehmend zu sein. Und wenn es nur dadurch ist, dass wir der Hetze gegenhalten und sie nicht stumm „aushalten“. Wenn wir den Gedanken an uns ranlassen, dass wir genau an der Stelle dieser Menschen sein könnten, können doch im Grunde Empathie und Menschlichkeit die einzigen Folgen sein.

 

Gedicht Menschlich sein ausgehetzt

 

Angaben im Sinne der Barrierefreiheit: Das Hintergrundbild zeigt den Vollmond am bewölkten Nachthimmel.

 

Text:

Menschlich sein

Dass wir hier sind, das ist unser Glück
und kein Verdienst für irgendein Tun,
wir blicken alle zum selben Mond,
doch dürfen nicht gleich unter ihm ruhn.

Während unsre Kinder sanft zugedeckt
dem neuen Morgen entgegenträumen,
müssen Mütter von anderen Kindern
zusehn, wie die ihr Kindsein versäumen.

Dass unser Problem der Ferienstau ist,
während woanders die Erde erbebt,
haben weder wir noch die ausgesucht;
es ist Zufall, wo jeder von uns lebt.

Nun gilt zu wählen: Können wir teilen?
Die Welt als unser aller Platz sehen?
Not als Not und nicht als Schikane;
denn ja, auch wir könnten dort stehen!

Dass wir hier sind, das ist unser Glück,
wir haben gar nichts dafür getan.
Zeit zu erkennen, dass wir Menschen sind;
lasst uns menschlich sein, fangen wir an!

 

Menschlich sein

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